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24. September 2020

Zu Besuch bei Gabriele Reinemer

Gabriele Reinemer in ihrem Atelier in Radebeul. Foto: André Wirsig
Gabriele Reinemer in ihrem Atelier in Radebeul.
Wer dieser Tage in Radebeul eine Flasche der neuen Weinedition erwirbt, die anlässlich des alljährlichen Wandertheaterfestivals aufgelegt wird, hat eine unmittelbare Begegnung mit Gabriele Reinemer. Die gebürtige Dresdnerin, seit Jahrzehnten in Radebeul ansässig und als Bildhauerin sowie Plastikerin weit über die Region hinaus bekannt, ist Schöpferin des Flaschenetiketts der 2020er Edition mit dem aufsteigenden Phönix. Dieses antike Thema ist durchaus mit dem übrigen Schaffen der Künstlerin verbunden, hat sie doch verschiedentlich mythologische Überlieferungen aufgegriffen. Dabei ging es ihr aber nicht so sehr um die alten Götter, sondern um existenzielle Fragen des Menschseins. Sie stehen zweifellos im Zentrum ihres Schaffens, auch wenn der Mensch als Gestalt in ihren jüngeren, verstärkt zeichenhaften Arbeiten, die von afrikanischen Kulturen inspiriert sind, nur indirekt anwesend ist.

30. Oktober 2019

Träumende in der Menge

André Uhlig in seinem Atelier.
Es ist mittlerweile zu einer schönen Tradition geworden: Radebeuler Künstler*innen gestalten das Etikett der Weinsonderedition, mit deren Verkauf auch das diesjährige XXIV. Wandertheaterfestival im Rahmen des 29. Weinfestes unterstützt wurde.

Der diesjährige Künstler ist mit dem Weinfest groß geworden. André Uhlig, 1973 in Dresden geboren, verbrachte fast sein ganzes Leben in Radebeul, der Weinstadt an der Elbe. Am Fluss aufgewachsen, sprechen seine Werke von verborgenen Orten, empfundener Landschaft und Sehnsucht. Für das Etikett tauschte er die Radiernadel gegen Papier und Pinsel. Denn ein Etikett unterscheide sich in seiner grafischen Schlichtheit von anderen künstlerischen Arbeiten, sagt der Künstler.



4. September 2017

Wasser und Wein, Leben und Genuss

Ein Besuch im Atelier von Peter „Pit“ Müller
Peter „Pit“ Müller in seinem Atelier.
Wer in das Atelier von Peter „Pit“ Müller tritt, der möchte gar nicht wieder gehen. Gemütlich ist es in dem kleinen Raum: auf dem Tischlein am Sofa steht dampfender Tee und eine Schale mit Keksen. An den Wänden, in den Regalen, auf dem Fensterbrett sind aus der Zeit gefallene Fundstücke versammelt: knorrige Wurzeln, filigrane Federn, zauberhafte Steine, Tierfiguren. Schätze der Schöpfung. Dazwischen Pinsel und Farben, Stifte und Papier, Rahmen, Entwürfe, Leinwände.

8. September 2016

Weingenuss mit Arlecchino und Colombina

Ein Besuch im Atelier von Bärbel Voigt

Bärbel Voigt mit der Weinsonderedition in ihrem Radebeuler Atelier.

Sie arbeitet gern für draußen, für den großen Raum, bei dem es auf das natürliche Licht ankommt. Bärbel Voigt hat sich im Laufe einiger Jahre auf künstlerische Ausstattung von Festen spezialisiert und inzwischen so ausgeklügelte Techniken für sich entwickelt, die ihre Kunstwerke wetterbeständig werden lassen. So auch der „Laternenpfad“ auf dem Weinfest in Radebeul. Im Herbst müssen die Objekte sowohl bei Tageslicht schön sein als auch am Abend ihre volle Strahlkraft entwickeln. Um damit sicher umgehen zu können, braucht es einige Erfahrung. Die holte sich Bärbel Voigt zuerst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei den Bühnenbildnern und Kostümgestaltern. Eine solide Basis, wie man heute weiß. Später an verschiedenen Theatern, in Bautzen, Görlitz und Dresden. Daher kann sie heute aus einem reichen Fundus schöpfen, denn besonders an kleineren Bühnen wird vom Bühnengestalter so ziemlich alles verlangt, was später zu sehen ist: Kulissen, Requisiten, Kostüme, Rauminstallationen …

15. August 2015

Ob sie auch Wein trinkt?

Ein Nachmittagsbesuch in der Atelierwohnung von Liselotte Finke-Poser
Liselotte Finke-Poser in ihrer Atelierwohnung. Foto: André Wirsig
Liselotte Finke-Poser in ihrer Atelierwohnung.
„Ich habe nie ein großes Atelier gehabt“, sagt Frau Finke-Poser, als sie uns drei Vereinsmitglieder in ihre Wohnung bittet. Tatsächlich ist es hier ganz schön eng, jede Wand mit Bildern behängt, die großen Arbeiten lehnen sich an die Regale. Der typische Ateliergeruch herrscht nicht vor – die Zeit der Ölmalerei liegt schon ein paar Jahre zurück. Lieselotte Finke-Poser hat schon vieles hinter sich – kein Wunder in ihrem hohen Alter. Umso lieber schaut sie zurück; das Schlimme ist vorbei, das Schöne darf in der Erinnerung bleiben. Das Studium an der Kunsthochschule in Leipzig, das Kennenlernen Ihres Mannes, die erste eigene Wohnung, der Umzug nach Radebeul.

Junge Künstler, die noch die vielen Techniken der Malerei und Grafik lernen müssen, könnten viel von ihrer Erfahrung profitieren. „Ich hab ja noch so richtig große Lithografien gemacht, auch Schabkunst – das kann heute kaum noch jemand“, erinnert sie sich. Sehr aufwendige Techniken, die nicht nur Geduld, sondern auch genügend Raum und starke Arme brauchen – Lithosteine sind schwer. Deshalb hat sie gern Gemeinschaftswerkstätten genutzt.

29. Oktober 2014

Über dem Düsteren die Rose

Ein Gespräch mit Markus Retzlaff 
von Christine Ruby

Markus Retzlaff in seinem Atelier „Oberlicht“ in Altkötzschenbroda. Foto: André Wirsig

Atelier Oberlicht  aber das klingt schon mal gut. Dort wird es nach Druckfarbe riechen, nach Terpentin und Papier. Ist auch so. Markus Retzlaffs Werkstatt ist gut gefüllt mit Werkzeug, Farben, Tischen und Pressen, es gibt viel Platz, sogar für Tisch und Sessel. Hier passen einige Menschen hinein  aber dazu später.

Der Verein wollte von ihm ein Weinetikett bekommen, zum schwierigen Thema Shakespeare. So etwas habe ich vorher nie gemacht, sagt Retzlaff. Das war spannend bis zum letzten Tag. Er spürt die Verantwortung, schließlich soll die Flasche so edel werden wie der Wein.
Man kann ja viel von Shakespeare lesen oder auf der Bühne sehen, und dazu hat ihn ein Schauspieler-Freund, des Öfteren genötigt. Aber wie er aussah, der geniale Dichter, wer er wirklich war, das weiß ja keiner! Also nachgeschaut in Lexika, in Texten über ihn. Doch je mehr man suchen geht auf dieser verwischten Fährte, desto weniger ist zu finden. Dafür gibt es viele Theorien: Er sei ein Synonym für mehrere Personen, ein Ungebildeter, ein Adliger, eine Frau. Schwer zu glauben.

2. September 2013

Unser neues Weinetikett - wer hat´s erfunden?

Zu Besuch bei Ulrike Kunze, 
Gestalterin der diesjährigen Weinsonderedition

Man kann ins Grübeln kommen: Woher kenne ich diesen Harlekin? Oder Pierrot. Gesehen bei Cezanne, Hopper, Picasso oder Watteau? Aber der sah doch anders aus? Dieser Pierrot kommt aus Radebeul, genauer gesagt aus der Werkstatt von Ulrike Kunze. Kann man aber nicht wissen, denn er ist neu, druckfrisch sozusagen, extra gemacht für die neue Weinsonderedition des Vereins, der die Wandertheater nicht sterben lassen will.
Drum ist seine Attitüde gar nicht verkehrt: Der Kopf ist noch dran am Mimen, aber nur gerade so. Fast geköpft! Duldend und erwartungsvoll hängen die Arme herunter, Schuhe hat er keine. Die Kulisse zeigt den Radebeuler Anger.

14. August 2012

Mit der Lupe gefunden

Im Atelier von Horst Hille, 
dem Maler unseres diesjährigen Vereinsweins 

Wir kennen uns noch nicht, Horst Hille und ich. So geht ein beiderseitiges Beäugen dem Gespräch voraus. Ich erinnere mich an seine Arbeiten in der Galerie, alle kleinformatig, mit sanften, rundlichen Formen, Publikumsrenner ab den 80er Jahren. Für jeden bezahlbar, werden sie schnell zum Schmuck auch kleiner Räume, sogar in Brieftaschen habe ich sie schon gesehen. Kupferstich ‑ wer macht das heute noch?


Sie verlangt viel Geduld, sichere Hände und gute Augen, diese strenge Technik. Nicht nur, weil die Druckplatte ein bisschen spiegelt oder den Stichel zu führen keine Wackelei verträgt; auch das Umdenken zwischen den Dimensionen will geübt sein. Von Naturgröße zu Miniaturformat ist es vor allem ein Gedankenweg. Und gerade das ist der besondere Reiz, in ein solch kleines Bild ‑ gestochen oder gemalt ‑ quasi hineinzusteigen, was Kunstliebhaber so fasziniert.  Es reicht doch völlig - man kann alles sehen, kommentiert der Künstler.
 

18. September 2011

Im Gespräch mit Werner Wittig

Lieber Herr Wittig, Sie waren so freundlich, unseren Verein zu unterstützen, indem Sie das Etikett zum Bacchus 2010 für unsere diesjährige Weinsonderedition gearbeitet haben. Ein Holzriss, gedruckt in Schwarz, auf dem wir ein gutes Stück Radebeul finden: Weinglas mit Rebe vor dörflichen Häusern. Die Technik des Holzrisses haben Sie weitgehend entwickelt, Sie sind dafür bekannt geworden. Ihre Blätter ‑ und auch die gemalten Bilder – strahlen meist eine große Ruhe aus. Das ist es, was Menschen ganz besonders an Ihren Arbeiten lieben. Hat das etwas mit Ihrem Wohnort Radebeul zu tun?
Das hat eher etwas mit meinem Arbeitsstil zu tun. Ich mag es, mit meinen Werkzeugen feine Schraffuren ins Holz zu bringen, die beim Drucken eine weiche Tönung erlauben, ähnlich der Aquatinta. Das hat nicht unbedingt etwas mit Ruhe, sondern mit Stille zu tun.

Künstler, die sagen, sie hätten keine Vorbilder, flunkern oft. Hatten Sie Vorbilder?
Als junger Chemnitzer, der sich anschickte, in Dresden Grafik zu studieren, wollte ich am liebsten so arbeiten wie Schmidt-Rottluff. Die starke Farbigkeit, die konsequenten Formen haben mich fasziniert. Ich hab es probiert – aber es war nicht meins. Keiner kann etwas machen, nur weil er es will! Ich hab es bald gespürt, dass etwas anderes aus mir heraus kommen sollte.

6. September 2010

Grafik mit Wein

Ein Gespräch zwischen dem Maler und Grafiker Claus Weidensdorfer und dem Schauspieler Herbert Graedtke


Claus Weidensdorfer hat Geburtstag. Aber deshalb ist Herbert Graedtke nicht gekommen. Was die beiden verbindet – in diesem Jahr besonders – ist das Kulturleben in Radebeul. Wozu beide ausdrücklich vieles zählen: Musik, Theater, die Galerielandschaft und die Winzer mit ihrem herrlichen Wein. Herbert Graedtke kommt als Vorsitzender des Vereins, der das Wandertheaterfestival unterstützt, zu Claus Weidensdorfer. Er möchte sich persönlich dafür bedanken, dass der bekannte Grafiker sich die Mühe gemacht hat, ein ganz besonderes Etikett für die Weinsonderedition des Vereins zu gestalten.

Herbert Graedtke: Wir sind ja ständig unterwegs, Leute mit Herz und Verstand zu finden, die unser kulturelles Anliegen unterstützen. Deshalb freuen wir uns sehr, dass Sie dieses Etikett für uns entworfen haben: Ein dreiteiliges, in Schwarz und Weiß gehaltenes Schmuckstück für unsere Weinflaschen. Wieder kann man überlegen, was nun wertvoller ist – die Grafik oder der Wein. Hat es übrigens einen Grund, dass Sie dabei die Farbe mal ganz draußen gelassen haben? Sie arbeiten doch sonst auch farbig und in ganz verschiedenen Techniken.

Claus Weidensdorfer: Sicher greife ich oft zu den Farben, aber so richtig schwere Ölmalerei hab ich eigentlich nie gemacht. Das dauert ja so lange! Ich zeichne lieber, mache Lithografien, Radierungen, Holzschnitt, auch Siebdruck. Man hat das ja alles durch. Musste ich auch, schließlich hab ich es Jahre angehenden Künstlern und Lehrern beigebracht.