4. September 2017

Wasser und Wein, Leben und Genuss

Ein Besuch im Atelier von Peter „Pit“ Müller
Peter „Pit“ Müller in seinem Atelier.
Wer in das Atelier von Peter „Pit“ Müller tritt, der möchte gar nicht wieder gehen. Gemütlich ist es in dem kleinen Raum: auf dem Tischlein am Sofa steht dampfender Tee und eine Schale mit Keksen. An den Wänden, in den Regalen, auf dem Fensterbrett sind aus der Zeit gefallene Fundstücke versammelt: knorrige Wurzeln, filigrane Federn, zauberhafte Steine, Tierfiguren. Schätze der Schöpfung. Dazwischen Pinsel und Farben, Stifte und Papier, Rahmen, Entwürfe, Leinwände.


Das Motiv der Weinsonderedition 2017.
Peter „Pit“ Müller liebt die Natur, ihre Farben und Formen, die Struktur von Wasser, Erde und Holz, gewachsene Landschaften, Blüte und Borke, Bach und Baum. Und so war es für ihn gar keine Frage, dass auch auf dem Künstleretikett aus seiner Feder die Naturgewalten vorkommen müssen.

Über Wochen hat er gegrübelt, Skizzen angefertigt, verworfen und umgearbeitet, bis ihm Zeus und Europa im Wasser aus der Tuschefeder sprangen. In Anlehnung an das diesjährige Festivalmotto „Europa, Du Schöne!“ hat Pit in Aquarell und Tusche die Entführung der schönen phönizischen Prinzessin durch den Gott Zeus in Stiergestalt festgehalten. Es ist ein sanfter Stier, von dem nur der Kopf zu sehen ist, und so wie Europa sich an ihn schmiegt und das Weinglas erhebt, ist sie keineswegs unglücklich über die Entführung.

Peter „Pit“ Müller.
Wasser und Wein, Leben und Genuss, Kraft und Anmut – dies alles vereint sich in Pits Bild zu einem Fest der Sinne. Denn er möchte die Geschichte von Europas Entführung gern als eine Liebesgeschichte lesen. Der Künstler vermutet schmunzelnd: „Die beiden haben sich auf Kreta ein paar schöne Jahre gemacht.“

Dies alles ist in seinem Bild angelegt – wenn er sich auch mit dem erhobenen Weinglas einen augenzwinkernden Scherz mit dem Mythos erlaubt hat. „Ich trinke gern auf Europa“, sagt der Schöpfer des 2017er-Künstleretikettes und erhebt damit auch das Glas auf die europäische Vielfalt, die (nicht nur) zum diesjährigen Herbst- und Weinfest mit seinem Wandertheater-Festival das Geschehen auf dem Anger prägen wird.

Menschenmenge beim Weinfest 2008.
Pit selbst lässt sich das Spektakel am letzten Septemberwochenende in keinem Jahr entgehen – 2003 hat er das Motiv für den Weintaler entworfen, 2008 war es gar als Festmaler engagiert und ist mit seiner Staffelei über den Anger gezogen. Er holt zwei Leinwände hervor – eine zeigt die brummende Menschenmenge zwischen den Ständen von Altkötzschenbroda, die andere, wie sich die Friedenskirche überm Festtrubel in den Himmel streckt.Auch jetzt noch nimmt der Künstler Block und Stift mit, wenn er zum Weinfest geht. „Es ist wunderbar, die Leute zu beobachten und festzuhalten“, sagt er. Meist reicht es, wenn er sich in eine Ecke setzt und wartet: „Das Leben kommt vorbeigeströmt wie Wasser.“


Aufgeschrieben von Birgit Andert.

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