2. September 2013

Unser neues Weinetikett - wer hat´s erfunden?

Zu Besuch bei Ulrike Kunze, 
Gestalterin der diesjährigen Weinsonderedition

Man kann ins Grübeln kommen: Woher kenne ich diesen Harlekin? Oder Pierrot. Gesehen bei Cezanne, Hopper, Picasso oder Watteau? Aber der sah doch anders aus? Dieser Pierrot kommt aus Radebeul, genauer gesagt aus der Werkstatt von Ulrike Kunze. Kann man aber nicht wissen, denn er ist neu, druckfrisch sozusagen, extra gemacht für die neue Weinsonderedition des Vereins, der die Wandertheater nicht sterben lassen will.
Drum ist seine Attitüde gar nicht verkehrt: Der Kopf ist noch dran am Mimen, aber nur gerade so. Fast geköpft! Duldend und erwartungsvoll hängen die Arme herunter, Schuhe hat er keine. Die Kulisse zeigt den Radebeuler Anger.

Im Wein liegt Himmel und Hölle dicht beieinander.
„Es ist das Bild von Watteau, was mich angeregt hat, diese Collage zu machen“, erklärt Ulrike Kunze. „Aber da hat der Pierrot noch Schuhe an. Betrachtet man die Straßentheaterkunst und ihre Akteure, könnte es einem um deren Beinbekleidung bange werden“ so die Künstlerin, die eigentlich Bühnen gestaltet und Schauspieler anzieht.
Himmel und Hölle - das Motto des Festivals - Wer darf in den Himmel, wer wird bestraft? Vielleicht schicken wir den Totsparer, den Ignorant, den Institutionalisierer, der etwas gegen Wanderbühnen hat, in die Hölle? Oder erschrecken wir ihn einfach mit turbulenten Stücken, verrückten Ideen, leidenschaftlicher Theaterkunst direkt im Hof und auf der Wiese?
Man mag ja heute kaum noch brachial auf die Bedrohung der Kunst verweisen - dabei werden doch wirklich die Arme schwer. Aber gesagt sollte es trotzdem werden, wenn mit Mitteln der Kunst, umso besser.
Deshalb hat Ulrike Kunze ihre Liebe zum Theater - egal wo - in dieses Bild gepackt. Eindringliche Warnung und Verehrung in einem. Mit geschickten Händen hat sie gerissen, geklebt, übermalt und mit Herzblut (rot!) hinterlegt. „Der abgerissene Hintergrund wirkt aus der Entfernung wie Flügel eines gefallenen oder verkündenden Engels“, sagt sie, das Ergebnis betrachtend.
Ulrike Kunze in ihrem Arbeitszimmer.

Der Gedanke drängt sich auf: Wie gut, dass Ulrike Kunze nicht Mathematikerin geworden ist. Geboren und immerzu in Radebeul lebend hat sie doch ganz ihren eigenen Weg gewählt und sich als Künstlerin gebildet, ihre Vorliebe für die Szenografie entdeckt, in Dresden an der HfBK studiert und seitdem fleißig gearbeitet, um viele Leute glücklich zu machen: Schreibende, Dramatisierende, Theatermacher und Zuschauer, große und kleine.
„Besonders gern kleine, denn die unverbildete Urteilskraft des jungen Publikums beglückt durch die Ehrlichkeit der Rezeption“, betont die Künstlerin.

Und nun noch uns! Danke, liebe Ulrike Kunze, für dieses wunderbare Etikett, das eine schöne Flasche ziert, in die ein guter Wein gefüllt wurde! Wahrscheinlich werden wir die Flasche flugs in ein Wasserbad stellen, um das Bildchen abzulösen und in einem Rahmen platzieren - zum Genuss auch ohne Wein.

Aufgeschrieben von Christine Ruby.


Ulrike Kunze wird am Samstag, dem 02. November 2013ab 14 Uhr zwei Stunden lang am Stand des Fördervereins beim Radebeuler Grafikmarkt die Etiketten der gekauften Flaschen der Weinsonderedition signieren.

Keine Kommentare:

Kommentar posten